PRESSE-INFORMATIONEN


    2016

    Operette in Berne

    Sie glauben es nicht? Ist aber wahr! Am Sonntag durften wir erleben, wie aus unserem Gemeinschaftshaus Berne für zwei Vorstellungen ein kleines Operettenhaus Berne wurde. Wir, das sind die Mitglieder des Kulturkreises Berner Schloss, der sich zum größten Teil aus jener Generation zusammensetzt, die nur selten ihre „likes“ auf „facebook“ in die Welt hinausposaunt oder aller Welt twittert, dass ihnen etwas Bestimmtes gefallen hat. Wir sind die Generation, die noch die Operette als Vorgängerin der heutigen Musicals live auf einer Bühne oder in schwarzweiß auf dem Fernsehschirm erlebt hat. Wir konnten am Sonntag live Beifall klatschen und hautnah drei Künstler erleben, die diese Musik wieder aufleben ließen. Wir haben das sehr „geliked“!

    Die Sopransängerin Claudia Christiane Goldbach und der Tenor Stefan Seehafer unterhielten uns mit ihren Operettenarien und Duetten auf höchstvergnügliche Weise. Begleitet wurden sie auf dem Klavier von Antonina Rubtsova. Gemeinsam bilden sie das Trio von MusicaPortabile (www.musicaportabile.de). Julia Fabian führte Regie. Frau Fabian wird für den Kulturkreis Berner Schloss noch eine große Rolle spielen, denn nach den langen Jahren, in denen Uwe Völsch der 1. Vorsitzende war, wird sie zukünftig seine Rolle übernehmen, während er übergangsweise als 2. Vorsitzender dem Vorstand erhalten bleibt.

    Wir Mitglieder waren schon besorgt, dass es keine Nachfolge für diese Arbeit von Uwe Völsch geben würde. So engagiert wie er mit seiner Frau Hella in Deutschland und im europäischen Ausland herumreiste, um sich kleine Künstlergruppen anzuschauen und dabei zu entscheiden, ob sie für die Berner Bühne geeignet wären, dann diese Gruppen zu engagieren, ihre Gage auszuhandeln und schließlich mit Hilfe seines kleinen Damen-Teams die gesamte technische Durchführung an verantwortlicher Position vor Ort durchzuführen, dafür gebührt ihm unser allerherzlichstes Dankeschön. Wir haben viele schöne, interessante und abwechslungsreiche Vorstellungen erlebt, sodass inzwischen unsere Erwartungen an Frau Fabian recht hoch gesteckt sind.

    Und tatsächlich, es ging schon vor Beginn der Vorstellung richtig los. Es erwartete uns ein bereits fertiges Bühnenbild bestehend aus angedeuteten Tapeten, geschmückt mit bunten Fächern, Tisch und Stühlen wie im Caféhaus, einem altmodischen Garderobenständer, an dem ein verführerisches, schwarzes Cocktailkleid sowie ein Strohhut hingen. Dem gegenüber stand das uns bekannte Klavier. Die Zuschauerinnen und Zuschauer studierten fleißig das Programm. Man bestätigte sich gegenseitig, die meisten Titel zu kennen und wir waren gespannt, wie diese vorgetragen werden sollten. Doch dann lief alles etwas anders ab. Zwei sich unterhaltende Damen betraten die Bühne, die eine groß in lachsfarbenem Kleid und langem offenen Haar, die andere eher zierlich im eleganten, bodenlangen schwarzen Abendkleid mit einer anmutig hochgesteckten Frisur. Während die erstere sich ans Klavier setzte, sich die Lippen zu schminken begann und gelangweilt ihre Noten zurechtrückte, legte die Sängerin Täschchen und Schal sowie ihr iPad auf den Tisch. Sie begrüßte kurz das Publikum und wir hörten eine erste Kostprobe ihres Koloratursoprans, das „Lied der Nachtigall“ von Franz Grothe.
     
    Das Publikum wollte gerade anfangen Beifall zu klatschen, wurde aber unterbrochen von einer lautstark protestierenden Männerstimme von hinten aus dem Saal. Ein großer, kräftiger Mann schleppte einen noch größeren Koffer durch die Reihen, betrat polternd die Bühne und holte aus dem abgestellten Koffer seine Requisiten, legte der Pianistin die Noten aufs Klavier und wollte seine Arie, „Ob blond, ob braun, ich liebe alle Frau’n“ (Robert Stolz), vortragen. Es entstand ein Wortgefecht, wer von beiden denn nun ein Engagement auf dieser Berner Operettenbühne hätte. Er stellte fest, „Ja, das Studium der Weiber ist schwer“, trug dann noch die Arie „Es steht ein Soldat am Wolgastrand“ (Der Zarewitsch) vor und sie spielte zwischendurch „Die Unschuld vom Lande“ (Die Fledermaus). Beim „Polkatänzer“ (Der Graf von Luxemburg) kamen sich beide schon ein wenig näher. Ging es um Verständnisschwierigkeiten, ergriff sie - als herrlicher Kontrast zur Operettenwelt - ihr iPad und las aus „Wikipedia“ Wissenswertes zu dem betreffenden Stück vor. Sicherlich war der Tenor ebenso von ihrem „Vilja Lied“ (Die lustige Witwe) angetan wie das Publikum, doch er beschloss „Heut geh‘ ich zu Maxim“. Beim Abgang zur Pause strebten sie dann gemeinsam ins „Chambre Séparée“ (Der Opernball) und wir Zuschauer zu Wein, Wasser, Bier und Brezel.

    Als nach der Pause beide eingehakt aus ihrem Séparée wieder auf die Bühne kamen, waren die musikalischen Auseinandersetzungen offenbar beigelegt. Beide verkörperten das klassische Operettenpaar des letzten Jahrhunderts: Sie jungendlich, von zierlicher Figur, jetzt in einem schulterfreien, roten Abendkleid mit einem Goldbrokat durchwirkten Oberteil, dazu ein weißes Pelzjäckchen, daneben er, der schon in die Jahre gekommene stattliche Charmeur mit vollem, graumelierten langen Haar und Dreitagebart, in Smokinghose mit Kummerbund, einer weißen Jacke und Seidenschal. Eine glaubhafte Verkörperung der nun folgenden Wiener Operetten Lieder. Natürlich gehörten auch weiterhin die nichtmusikalischen Zwischentöne dazu. Frau Goldbach, die Sopranistin wollte nur mal schnell ihr Kleid wechseln, doch hing das „Kleine Schwarze“ unerreichbar für sie auf der anderen Seite der Bühne am Garderobenständer. Ihr konnte geholfen werden! Für einen Herrn in der ersten Reihe war der Abend gelaufen, als er ihr dann helfen durfte, unter Beifall den Reißverschluss zu schließen!

    Wir konnten das Paar bestaunen, wie es wegen der engen Bühne abwechselnd mit Zwischenschritten vor und auf der Bühne tanzte und man wurde wiederum bestätigt: „Ganz ohne Weiber geht die Chose nicht“ (Die Csardasfürstin). Zwischendurch wollte die Pianistin die Bühne verlassen und verkündete in ihrem leichten russischen Akzent „nur kurz auf die Toilette und die Nase pudern“ zu müssen. Gelächter und Beifall. Sie brachte dann aber lieber die große Dose vom Klavier, gefüllt mit „Berliner Luft“. Herr Seehafer, der Tenor, schlug zwar vor: „Komm mit nach Varasdin“ (Gräfin Mariza), doch blieben beide lieber „Im weißen Rössl am Wolfgangsee“. Mit der Zugabe, „Reich‘ mir zum Abschied noch einmal die Hände“ von Paul Abraham, wurden wir aus diesem ungewöhnlichen Operettenabend schließlich entlassen. - Danke Frau Fabian, so kann es gern weitergehen!

    Heiko Lendt



    2014

    Rund um die Liebe


    Nach 5 Jahren gab es am 29. Oktober ein Wiedersehen mit Annette Mayer (Gesang) und Henning Lucius am Klavier.

    Dabei nahmen sie das Publikum mit auf eine Reise durch die wundersame Welt der Liebe. Sei sie nun glücklich oder unerfüllt, vergangen oder noch im Erblühen – Annette Mayer beleuchtete alle Aspekte, die dieses Thema bietet. Mit vielen französischen Chansons, eingestreuten Gedichten und nicht zuletzt den jeweiligen Interpretationen wurde das Publikum sehr gut unterhalten.

    Für alle, die der französischen Sprache nicht mächtig sind, übersetzte die Künstlerin vorab die Texte, oder gab eine kurze Einführung in den Inhalt, so dass alle dem Geschehen folgen konnten. Das Paris des letzten Jahrhunderts mit seinen Künstlern, Bars und Liebes-Geschichten wurde wieder lebendig. Edit Piaf fehlte mit ihrem unvergesslichen "Non, je ne regrette rien" ebenso wenig wie Charles Aznavour mit „Du lässt Dich geh´n“, dem eine Version von Friedel Hensch, aus Sicht der Frau gegenübergestellt wurde.

    Ein rundum begeisternder Abend mit Liedern von und über die Liebe.


    2013

    Bezaubernde Helene Blum mit Band

    Die bezaubernde Sängerin Helene Blum, von der dänischen Blumeninsel Fünen, kam zunächst ganz alleine auf die Bühne und sorgte mit ihrem ersten a Cappella vorgetragenen Lied für Gänsehaut-Feeling pur!

    Mit kräftiger, kristallklarer Stimme, im nächsten Augenblick aber auch mit zarter Stimme hingehaucht, zog sie die ergriffenen Zuhörer sofort in ihren Bann.

    Vom 2. Titel an war dann das Quartett komplett

    Begleitet wurde die sympathische Sängerin, die meist in deutscher Sprache, mit wunderbarem dänischen Akzent, mit interessanten Erklärungen durch das Programm führte, von ihren weiteren Musikern, ( Geige, Cello, Gitarre und Mandoline) wobei  ihr Ehemann Harald Haugaard als begnadeter Geiger einen hervorragenden Eindruck hinterließ.

    Helene Blum sang überwiegend Titel von ihrer aktuellen 4.CD ("Mit meinen offenen Augen"), aber Harald Haugaard, inzwischen mit 12 Awards ausgezeichnet, streute immer wieder Songs aus seinen diversen eigenen Alben mit ein. Damit hatte er gute Möglichkeiten, seine überragenden solistischen Fähigkeiten darzustellen.

    Nach drei, durch Beifallstürme „erklatschten“  Zugaben ging das hochzufriedene Publikum heimwärts und das Hamburg-Debut von Helene Blum+Band war beendet. Nicht wenige Zuschauer waren der Meinung, sie hätten das schönste Konzert in den 10 Jahren des Bestehens des Kulturkreises erlebt.


    2011

    Operette und Musical begeisterte...

    "Herrliche Operette, wunderbares Musical" war das Thema am 28. September im Berner Gemeinschaftshaus. Diese Musikrichtung ist die gefragteste bei unserem Kulturkreis. Bei zwei gut besuchten Vorstellungen hatten die bezaubernde Svenja Liebrecht (Sopran) und der charmante Tenor Andreas Michalzik die Zuschauer von Anfang an auf ihrer Seite. Ging es zu Beginn mit Arien aus "La Traviata" und "La Bohème noch hochklassisch zu, folgten darauf  "Perlen" aus "Zirkusprinzessin", Csárdásfürstin", "Paganini", "Fledermaus", "Land des Lächelns", "Zarewitsch" und "Lustige Witwe". Den Schluss bildeten Titel aus den Musicals "Porgy and Bess", "Les Misérables" und als weiterer Höhepunkt drei Melodien aus der "West Side Story".

    Martin Schumann, Professor an der Hochschule für Musik und Theater in Hamburg, begleitete die Künstler feinfühlig und glänzte auch mit zwei Solobeiträgen von Franz Liszt und George Gershwin



    Mit „Ne me quitte pas“ ging der Kulturkreis Berner Schloss am 25. Mai in die Sommerpause.

    Peter Meding begeisterte mit der Interpretation der Chansons von Jacques Brel, Charles Trenet, Gilbert Becaud, Charles Aznavour, traute sich aber auch an Stücke der unvergessenen Edith Piaf heran.

    Begleitet wurde er dabei vorzüglich von Jurek Lamorski, nach Meinung der Fachleute, einer der weltbesten Akkordeonisten, abwechselnd auch am Klavier. Sein ganzes Können zeigte der Tastenvirtuose als Einlage mit seinem eigenen Arrangement des „Csardas“ von Vittorio Monti.

    Mit dem hinreißend gesungenen „Lilli Marleen“ des deutschen Komponisten Norbert Schultze, natürlich in der französischen Version gesungen, verabschiedete  ein hochzufriedenes Publikum die Künstler mit stehenden Ovationen.


    Nordische Impressionen im April

    Das hat es beim Kulturkreis Berner Schloss noch nie gegeben – im 9. Jahr ist es passiert: Ein mit großer Spannung erwartetes Konzert zum Thema „Paganini – der Teufelsgeiger“ musste wegen Erkrankung eines der Künstler ersetzt werden.

    Kurzfristig wurde mit dem Duo Kalinowsky und ihrem Programm „Nordische Impressionen“ die Lücke gefüllt. Das gelang so gut, dass Semjon Kalinowsky mit der Viola, begleitet von Bella Kalonowska am Klavier, nur nach einer Zugabe, nach Bravorufen und stehenden Ovationen, von der Bühne gelassen wurden.

    Beide Künstler nahmen ihr Publikum auf eine musikalische Reise von Norddeutschland, über Dänemark, Schweden, Norwegen, Finnland, Russland und mit einer Komposition des Hamburgers Carl Reinecke zurück nach Deutschland.

    Weitere Komponisten des Abends waren u.a. Alexander Glasunow, Elfrida Andree, Niels Gade und Jean Sibelius.

    Besondere Beachtung des Publikums fanden die vorzüglich recherchierten Erläuterungen zum Leben und Werdegang der gespielten Komponisten – von Bella Kalinowska feinfühlig und im akzentfreien Deutsch, frei vorgetragen. Dabei wies sie besonders darauf hin, dass der Hamburger Komponist für die Romantische Musik und für nachfolgende Generationen an Musikern von herausragender Bedeutung war.

    „Gypsy Swing“ begeisterte die Berner im Februar

    Der Kulturkreis Berner Schloss e.V. startete furios in die neue Saison.

    Mit dem Engagement des „Gypsy Swing-Ensemble “Cafe Royal Salonorchester" hatte das Veranstaltungsteam mitten ins Herz der Zuschauer getroffen. Die 6 Vollblut-Musiker, darunter 4 Sintis der renommierten Weiss-Familie, versprühten gute Laune pur. Dabei kamen aber auch die melancholischen Momente, sie gehören bei Zigeuner-Musik einfach dazu, nicht zu kurz.

    Der Bogen spannte sich von französischen Django Reinhardt-Titeln, über Wiener Kaffeehaus-Musik bis zu den Klängen ungarischer Zigeuner. Besonderos die hinreißend gespielten Csardas  der Gypsies vom Balkan rissen die Berner förmlich von den Stühlen.

    Eine anrührende Szene ergab sich nach dem Konzert, als der Gitarrist Clemens Rating sehr feinfühlig, den bescheiden vorgetragenen Wunsch des blinden Hobby-Gitarristen Jens-Uwe Voigt erfüllte, Ratings Gitarre einmal in die Hand nehmen zu dürfen……

    Wer diese großartigen Musiker verpasst hat, findet unter www.caferoyal.de regelmäßig stattfindende Auftritte im Abaton-Bistro, neben dem gleichnamigen Kino.


    2010

    Jazz und Soul im Oktober

    Mit „Get Lucky“, einer Eigenkomposition von Rainer Schnelle, begann mit dem gleichnamigen Trio ein vergnüglicher Konzertnachmittag im Berner Gemeinschaftshaus. Aber schon mit dem Beatles-Titel  „Come Together“ stand der Star des Tages, Melvin Edmondson, auf der Bühne – und das ohne Unterbrechung bis zum vielumjubelten Schluss der gelungenen Vorstellung.

    Dazwischen standen Cover-Versionen und Kompositionen von Ray Charles, Gilbert O’Sullivan, Cole Porter, Joe Cocker, George Gershwin, Hoagy Carmichael („Georgia On My Mind“), und mit „Strawberry Fields Forever“ ein weiterer Beatles-Song auf dem Programm.

    Dabei wurden keine 1:1 Kopien der berühmten Vorbilder dargeboten. Der ausgezeichnete Jazzpianist Schnelle, Dozent an der Hochschule für Musik und Theater in Hamburg, lieferte maßgeschneiderte Arrangements, die er mit seinen spielfreudigen Mitstreitern, Frank Skriptschinski (Kontrabass) und Thomas Himmel (Schlagzeug), perfekt umsetzte.

    Mit seiner samtenen, unter die Haut gehenden Stimme, verabschiedete Melvin Edmondson seine begeisterte Zuhörerschaft mit dem Titel „What A Wonderful World“, ein Stück das 1967 speziell für Louis Armstrong und die amerikanische Bürgerrechtsbewegung gegen den Vietnam-Krieg geschrieben wurde.


    Joshua Carson bezeichnet sich selbst als Folk-Singer, obwohl er mit „ The Old Café “ in Deutschland, Österreich und den Niederlanden gerade die Country-Radio-Charts erobert.

    Dabei hat er bisher erst einen Country-Song geschrieben. Folgerichtig heißt dieser „My Only Country Song“.

    Bei seinem Gastspiel im Berner Gemeinschaftshaus begeisterte Joshua Carson seine Zuhörer überwiegend mit selbstverfassten Titeln auf englisch und deutsch. Seine tiefgründigen Texte sind nicht nur für den Augenblick gemacht und können tief berühren. Einer seiner neuesten Songs dagegen ist wiederum höchst witzig. „Endlich Montag“ handelt von dem Mann, der die Wochenenden hasst und auf den Montagmorgen wartet, um endlich wieder „malochen“ gehen zu dürfen…….

    Neben englischen Cover-Versionen von John Denver sowie von Simon & Garfunkel sang Carson auch die Titel „Über den Wolken“ und „51er Kapitän“ von Reinhard Mey – und das so hinreißend, dass der auf die 70 zugehende Mey getrost schon mal an seine Rente denken darf: Joshua Carson steht in den Startlöchern!

    Mit „This Old Guitar“ und großem Applaus ging ein schöner Abend zu Ende.

    Wer den sympathischen jungen Mann aus Bad Schwartau verpasst hat, sollte sich den 16. Oktober vormerken. Dann tritt er im Rahmen der „Country- und Westernnight“ (mit Line Dance Workshop) in den Räumen des Berufsförderungswerk in Hamburg-Farmsen auf.


    So schön kann ein Kaktus blühen

    Nicht nur ein kleiner grüner Kaktus erblühte, als das Ensemble „Kaktusblüte“ am 11. April beim Kulturkreis Berner Schloss gastierte. Die drei Damen aus Buxtehude brachten auch ohne ihre erkrankte vierte Frau mit glockenklaren Stimmen das Gemeinschaftshaus, in dem die Kulturkreis-Konzerte während der Sanierung des Berner Schlosses stattfinden, zum Swingen.

    Begleitet von zwei Akustikgitarren und einem Bass sowie diversen selbstintonierten Percussioninstrumenten, zu denen auch eine Glocke und ein Waschbrett gehörten, präsentierte das Quintett ein Potpourri von Stücken aus dem letzten Jahrhundert, wie das gleichnamige Erkennungslied der Band über Musical („Bei mir bist du scheen“) bis zum Popsong („Mr. Postman“), von karibischen Klängen („Rum and Coca-Cola“) bis zum Countrystyle. Letzeres hieß dann „vom Land“, also plattdeutsch, und das von zwei gebürtigen Engländerinnen. Als weitere Fremdsprachen wurden französisch und englisch präsentiert, wobei  sich ein eigenes Stück  witzig-ironisch mit den teilweise unsäglichen Anglizismen in der deutschen Sprache befasste, nach dem Motto „ Coffee to go oder doch lieber im Sitzen?“.

    Auch mit ihren musikalischen Einsichten zum Thema Diät und der gelungenen Interpretation des „Wanderliedes für Hausfrauen“ brachten die Damen vor allem die weiblichen die Zuschauer zum Schmunzeln, die sich ziemlich genau in den Texten wiederfanden. Jetzt endlich wissen auch die Männer, warum Frauen keine Lust zum wandern haben – schließlich werden während der täglichen Hausarbeit schon so einige Strecken– und Höhenkilomenter (Leitern!) zurückgegelegt.

    Hans Scheibner im Berner Schloss

    Wie bereits 2007 eröffnete der bekannte Läster-Lyriker Hans Scheibner die neue Spielzeit des Kulturkreises Berner Schloss. Dabei sollte sein Programm „Auf ein Neues“ nicht nur das neue Jahr einläuten, sondern auch einen satirischen Überblick über seine neuen Werke geben. Es fängt schon gleich mit der Morgengymnastik an, die ja doch irgendwie unnütz sei, denn selbst der durchtrainierteste Körper sei am Ende für den Sarg.

    Scheibner spannt souverän einen bunten Bogen von der Tagespolitik über allerlei unnütze Neujahrsvorsätze bis zu seinem Lieblingsduo Hermann und Hermine, die so manche Absurdität von sich geben. So hat er zynisch-konstruktive Vorschläge für „die Loreley aus Hannover“ zur neuen Bezeichnung für Hartz IV parat, z.B. „Floridaspende“ oder ISuB-Gehalt (In Saus und Braus) und lästert genüsslich über Frau Merkel, die als erstes gegen Schweinegrippe geimpft wurde. Herrlich auch die detaillierte Schilderung seiner nachbarschaftlichen Hassbeziehung zu dem netten Herrn von nebenan, bei dem er täglich voller Schadenfreude mit seinem Hund Willy über „das Geharkte“ vor dem Grundstück latscht. In wechselnden Rollen liefert er sich als Hermann und Hermine ein wunderbar absurdes Gespräch über Hähne, die wegen zu lauten Krähens verklagt werden und eigentlich doch nicht lauter sind als Kühe, die mit ihren Glocken klingeln, oder waren es krähende Kühe?

    Zum Schluss gestattet Scheibner noch einen Blick in sein Privatleben mit Geschichten, wie sie das Leben schreibt. Zumindest, wenn man vier Töchter und eine Frau mit Handy hat, die permanent aus rein praktischen Gründen ihre SIM-Karten tauschen, was zu interessanten Kommunikationsschleifen führt, wenn man nur mal eben die Ehefrau anrufen will. Als Vater von vier Töchtern hat er natürlich auch schon die ein oder andere Geburt durch litten („Wenn Männer Kinder kriegen“). Wenn dann ein anderer Vater beim Spaziergang mit Kinderwagen im Park mit „seiner“ Entbindung (Kopflage, Kaiserschnitt) angibt, hat er dafür nur ein müdes Lächeln übrig, schließlich hat er eine zwanzigstündige Steiß-Endlage hinter sich. Zum Totlachen.


    2009

    Saxophonie im Berner Schloss

    06. Dezember 2009.  Zum Abschluss dieses Veranstaltungsjahres servierte der Kulturkreis Berner Schloss mit „Classic4Sax“ seinem Publikum noch einen besonderen Leckerbissen. Am ersten Advent zeigten die drei klassisch ausgebildeten Musiker und eine Jazz-Saxophonistin eindrucksvoll, dass diese eher ungewöhnliche Zusammensetzung eines Quartetts perfekt harmonieren kann.

    Dabei gibt es gar nicht so viele Stücke, die eigens für Saxophone komponiert wurden, wie die Besucher erfuhren. Der belgische Komponist Jean-Baptiste Singelée, ein guter Freund von Adolphe Sax, dem Erfinder des Saxophons, war einer der ersten, der im 19. Jahrhundert reine Saxophonstücke schuf.  Vor der Pause spielten die zwei Damen und zwei Herren auf Sopran, Alt, Tenor- und Baritonsaxophon  von ihm und weiteren Komponisten zunächst überwiegend Originalkompositionen.

    Die vier Tonlagen der Instrumente erlaubten eine sehr variantenreiche und temperamentvolle Interpretation der Stücke. So kam das bunte Treiben im Paris der 30er Jahre aus dem Petit Quartour von Jean Francaix ebenso gut herüber wie Ravels unvermeidliche Bolero – der nach Aussage der Künstler im Durchschnitt alle 20 Minuten irgendwo auf der Welt gespielt wird.

    Nach der Pause wurde es internationaler mit Stücken, die für Saxophone bearbeitet wurden.  Beschwingt  interpretierten die Musiker Bernstein und Gershwin sowie Pedro Iturralde mit der Suite Hellenique - mit hörbaren Anleihen aus der griechischen Folklore .  Das ausdrucksstarke Solo der Tenorsaxophonistin Karola Elßner wurde mit Bravo-Rufen bedacht.

    Insgesamt boten die vier Musiker - neben Karola Elßner spielten Lars Osenbrüg (Sopransaxophon), Wolfram Bartsch (Alt) und Katharina Thomsen (Bariton) - einen bunten Adventstrauß voller musikalischer Überraschungen dar, der die Zuschauer von zwei ausverkauften Vorstellungen sehr beschwingt nach Hause gehen ließ.


    Die Dietrich im Berner Schloss

    5. November 2009.  Am 27. Oktober 2009 wurden das Publikum im Berner Schloss gleich zu Beginn der Vorstellung auf die Hauptperson des Abends eingestimmt: Die Sängerin und Schauspielerin Dagmar Dreke und die Pianistin Cat Lustig begannen ihren „etwas anderen“ Marlene Dietrich Abend mit dem bekanntesten Chanson der Diva „Ich bin von Kopf bis Fuß auf Liebe eingestellt“.

    Im Laufe des Abends wurde den Zuschauern eine Marlene präsentiert, wie sie so mit Sicherheit vielen gar nicht bekannt ist. Dagmar Dreke hatte sich die Marlene Biografie der Tochter Maria Riva zur Vorlage genommen, um zusammen mit Ausschnitten aus den Tagebüchern und der Autobiografie der Dietrich durch das Leben der großen Schauspielerin zu führen.

    Unterbrochen wurde der routiniert und kurzweilig vorgetragene Text von so bekannten Songs wie „Ich bin die fesche Lola „, „Ich weiß nicht, zu wem ich gehöre“ oder „Ich hab’ noch einen Koffer in Berlin“.

    Die Biografie der Tochter Maria war nach dem Tode der Dietrich erschienen und hatte heftige Kontroversen ausgelöst, da sie ganz gewaltig an dem Mythos des „Blauen Engels“ kratzte. Der Text ist oft bissig, boshaft,  aber auch liebevoll. Das Verhältnis der beiden zueinander war sehr ambivalent, zumal die Riva ihre Mutter als egozentrisch und herrschsüchtig darstellt und sich bitter über ihre Kindheit beklagt. Dagmar Dreke gelang es aber sehr gut, diese „negativen Passagen“ über die Dietrich wieder  mit lustigen und frechen Anekdoten aus deren Leben zu kompensieren.

    Die eingeschobenen Songs lockerten die Lesung wohltuend auf. Köstlich als Zugabe die Geschichte, in der sich die Dietrich auf einem Bauernhof als Hebamme betätigt und mit einer Flasche Öl von Elisabeth Arden  einem Kälbchen auf die Welt hilft.


    "Endlich Normal" -- Kabarett im Berner Schloss

    Die erste Veranstaltung des Kulturkreises Berner Schloss nach der Sommerpause verlangte den Zuschauern so einiges an Lachmuskeln ab. Andrea Bongers präsentierte ihr musikalisches Kabarettprogramm zum Thema Selbstfindung, um "endlich normal" zu werden. Dabei verarbeitete die sympathische Künstlerin sämtliche prägende Stationen ihres Lebens, wie das erste Zeltlager (mit Rendevouz-Stress), die erste WG (mit Beziehungsstress) und später die zahlreichen Programme zur Selbstfindung, wie beispielsweise "Segeln für Führungskräfte", "Tantra-Soforthilfe", die indianische Schwitzhütte oder die Gruppe mit der Losung "Wohne in dir", die die Bongers mit den Worten "na super, da spar ich die Miete" kommentiert.

    Neben ihrem perfekt zuspielenden menschlichen Begleiter an Klavier und Keyboard Jo Jacobs kommt immer mal wieder ihr innerer Schweinehund - passenderweise in Gestalt eines Schafs -- zu Wort, das Tier in ihr, das so manche bittere Wahrheit bereit hält. Weiterer Begleiter ist Heinz, eine urhäßliche, fast menschengroße Puppe, die mal den Psychologen und mal den Baumarktverkäufer mimt. Andrea Bongers ist nämlich auch gelernte Puppenspielerin und war beispielsweise bei der Sesamstraße des NDR als Schnecke Finchen im Einsatz.

    "Beste kabarettistische und musikalische Unterhaltung" verspricht ihre Künstlerbeschreibung -- und genau das haben die Besucher am 21.09. im Berner Schloss bekommen.
     

    ScheinWelten im Berner Schloss
    25. April, 2009. Am 22. April eröffneten sich dem Publikum im Berner Schloss "ScheinWelten". Die vielseitige Künstlerin Annette Mayer sinnierte mal singend, mal sprechend über verlogene Bescheidenheiten, Scheinheiligkeiten und Geldscheine. Sehr zur Freude der Zuhörer präsentierte sie beispielsweise ein „scheinheiliges Lied aus der Perspektive des Mannes“: Die verschiedenen Wege zum Glück – oder: wie setze ich mich in einer Zweierbeziehung durch. In ihrem grün-schillernden Abendkleid („Das changiert so schön“), das sie angeblich von einer Operndiva bei ebay ersteigert hatte, präsentierte „die Mayer“ schrullige, teilweise rabenschwarze Chansons rund ums Geld, dann wieder Nachdenkliches wie die Dankesode an die zuverlässige Arbeit ihres Herzens („An mein Herz“), gefolgt von Benatzky´s „Die billige Annette“, das der Komponist schon 1922 schrieb.
    So mancher Lacher kam zustande, weil es Annette Mayer mit ihrer sympathischen Art  immer wieder geschickt gelang, durch humorvolle Fragen und kleine Provokationen, das Publikum einzubeziehen.
    Unterstützt wurde die Künstlerin, die als Schauspielerin bereits bei Tatort- und Großstadtrevier-Inszenierungen vor der Kamera stand, von ihrem Pianisten Henning Lucius, der mit seiner lockeren Art und seinem flexiblen und talentierten Spiel ebenfalls zum Gelingen des Abend beitrug.
    Nach zwei Zugaben, bei denen die Künstlerin Rosen und Papierherzen ans Publikum verschenkte, ließen die Zuschauer die beiden nur ungern gehen - zumal jetzt beim Kulturkreis Berner Schloss erstmal bis zum 20. September Sommerpause ist.

    Klassisches im Berner Schloss
    Hamburg, 04. März 2009. Angekündigt als die „schönsten Melodien aus der Welt  der Operette und des Musicals“  lag die Messlatte für die drei Künstler, die am 02. März im Berner Schloss auftraten, hoch.  Aber nicht zu hoch. Die junge Sopranistin Svenja Liebrecht und der kanadische Tenor Douglas J. Rice bewiesen dem begeisterten Publikum, dass Alter und Erfahrung bei der Interpretation großer Meister nicht immer ausschlaggebend sind.
    Schon im Auftakt zeigte Rice mit „Ombria mai fu“, aus der Oper Xerxes, sein großes Können als lyrischer Tenor.  Svenja Liebrecht  stieg gleich als Mozarts „Königin der Nacht“ ein. Sie  beeindruckte die Zuhörer mit ihrem glockenreinen, variantenreichen Sopran vor der Pause, vor allem mit dem „Herrn Marquis“ aus der Fledermaus und „Meine Lippen küssen so heiß“ aus Lehárs Guiditta. Und richtig zum Schwärmen brachten alle natürlich die bekannten Duette „Lippen schweigen“  (Die lustige Witwe), „Tanzen möchte´ ich“ (Die Csárdásfürstin) und „Ich hätt´ getanzt heut´ Nacht“ aus My fair Lady. Überhaupt ging es nach der Pause etwas internationaler zu. Die beiden Künstler,  Svenja Liebrecht jetzt im kirschroten, paillettenbesetzten  Abendkleid, interpretierten eingängige Titel aus den Musicals „Sweeney Todd“, „Candide“, „Les Misérables“, „West Side Story“ und „Das Phantom der Oper“  ebenso ausdrucksvoll wie die Stücke aus Oper und Operette.
    Eine überaus eindrucksvolle Leistung vollbrachte auch der Pianist  Martin Schumann, Professor der Musikhochschule Hamburg, der sämtliche Stücke sehr einfühlsam und auf die Sänger genau abgestimmt begleitete.  Auch bei einem noch ganz unbekannten Stück, das  die drei als Zugabe eingeplant hatten und das aus einer Oper stammt, die Douglas Rice selbst komponiert hat. „Das ging richtig ans Herz“  bemerkte eine Zuhörerin am Ende und sprach damit sicher vielen aus der Seele.  Eltern und Großeltern der Sopranistin, die erst vor wenigen Wochen ihr Gesangsexamen bestanden hatte,  waren auch im Publikum und sichtbar stolz.
    Klassisches im Berner Schloss - März 2009

    Kaffeehaus-Flair im Berner Schloss
    Sole , Azurro, Baby Capuccino, Flambée und Libertango hießen die Lieder, die am 28. Januar das Berner Schloss erfüllten. Mittelmeermusik aus Bistros und Bars von Spanien bis in den Orient, aber auch Musette-Walzer aus Frankreich, Gypsy- und Balkanklänge standen auf dem Programm des „Trio Macchiato“.  Die Tatarin Jana Mishena überzeugt als Sängerin an Geige und Gitarre, ebenso wie der St. Petersburger Jakob Neubauer mit Akkordeon und Bandoneon und der Nachfahr französischer Zigeuner Henry Altmann an Kontrabass und Percussion.
    Nebenbei erfuhren die Zuhörer Wissenswertes und Amüsantes über die dargebotenen Lieder, zum Beispiel dass Adriano Celentano seinen Hit „Azzuro“ immer falsch betont sang, oder dass der große Schlager „Sole Sole Sole“ in Italien zunächst ein Flop war. Caterina Valente gelang jedoch damit, bei seiner Einführung in Deutschland, 1960 ein großer Erfolg.

    Am Ende musste das Publikum noch anspruchsvolle Klatschrhythmen üben, die bei Kreistänzen („Horas“) auf jüdischen Hochzeiten üblich sind – schließlich sollte man für alle Fälle gerüstet sein.
     

    2008

    Harfenklänge im Berner Schloss
    05. Dezember 2008. Die Französin Julie Sgarro an der Harfe und Cellist Hendrik Zwiener gaben am 23. November ihr Debüt im Berner Schloss. Das letzte Konzert der diesjährigen Spielsaison des Kulturkreises Berner Schloss war in vieler Hinsicht besonders. Noch nie waren zwei so junge Klassik-Interpreten im Schloss aufgetreten. Noch nie hörte das Kulturkreis-Publikum die ungewöhnliche Kombination Harfe-Violincello und selten begeisterten Musiker die teilweise sehr fachkundigen Besucher so eindrucksvoll. Als feste Ensemblemitglieder des Gewandhausorchesters zu Leipzig waren die beiden jungen Künstler auch als Duett perfekt eingespielt. Ob Faurés Sicilienne, Schumanns Fantasiestücke op. 73 oder Schuberts Sonate „Arpeggione“- jede Partie wurde nuancenreich und leidenschaftlich dargeboten. Nach der Pause begeisterte Hendrik Zwiener mit einem fulminanten Solo der Bach-Suite Nr. 4 in Es-dur. Das Publikum dankte den Künstlern mit vier „Vorhängen“ und applaudierte so anhaltend, dass Hendrik Zwiener aus der Garderobe weitere Noten für Zugaben holen musste.

    Sylt Comedy im Berner Schloss
    29. Oktober 2008. Sonst eher auf nordwestdeutschen Inseln und in Ostseebädern unterwegs, gab der bekannte Sylter Kabarettist Manfred Degen am 28. Oktober ein Gastspiel im Berner Schloss. In zwei Vorstellungen lästerte Degen was das Zeug hielt. Natürlich über Sylttouristen, die schon zu Beginn der Saison in italienischen Schuhen mit Ledersohle, Seidenhemd und Designerhose bei Gosch stehen und so zittern, dass sie sich die Kohlensäure aus ihrem Champagner schütteln. Und ab November wird dank der Touristen der Altersdurchschnitt auf der Insel höher als in einem kubanischen Jazzmusikerhospiz. Aber auch der Sylter bekam sein Fett ab.
    Die Zuschauer erfuhren, dass die Sylter nur deshalb alle Geländewagen fahren, weil sie damit auf dem Autozug oben verladen werden und die Antenne nicht einfahren müssen. Überhaupt, der Autozug: was der Sylter im Blut hat und direkt an seine Nachfahren vererbt, ist eine magische Uhrzeit: 22:10 Uhr - dann fährt täglich der letzte Autozug von Niebüll nach Westerland. Schafft man den nicht, heißt es: entweder übernachten in Niebüll (Degen rät dringend ab) oder zu Fuß über den Hindenburgdamm - für solche Fälle ist der Sylter immer ausgerüstet mit Taschenlampe, festen Schuhen und zwei Flaschen Bier. Dem Autor von fünf Büchern und CDs war kein gängiges Vorurteil zu schade, um es in maßloser Übertreibung vor den Zuschauern auszubreiten und damit erst richtig bewusst zu machen. Alleinstehende Lehrerinnen und Bibliothekarinnen in mittleren Jahren, die zum Islam übertreten, wurden dabei ebenso bedacht Veganer, bei denen man sich besser nicht zum Grillen einladen lässt.
    Richtig zum Mitlachen waren Degens Reiseerlebnisse – ob nun in einem erster Klasse Bahnabteil mit Ursula von der Leyen und Großfamilie oder im Flugzeug nach Neuseeland in einer 55-minütigen Warteschlange vor der einzigen Bordtoilette – die gefühlten 970 Flugkilometern über Asien entsprach und damit entsprechend 3000 Jahre Kulturgeschichte abdeckte.
    Das Berner Publikum war jedenfalls froh, dass es dem Kulturkreis Berner Schloss gelungen war, das Sylter Urgestein nach Hamburg zu holen. Das Unternehmen wäre allerdings fast an einer Autopanne des Künstlers gescheitert. Zum Glück konnte Uwe Völsch, der Vorsitzende des Kulturkreises, Degen und seine Frau ca. 40 km vor Hamburg samt Technik und Bücherkisten in sein eigenes Fahrzeug umladen und noch rechtzeitig zur ersten Vorstellung ins Berner Schloss bringen.

    Schwäbische Comedy im Berner Schloss
    15. September 2008. "Vom Wunderkind zum Spätentwickler" hieß das Programm mit dem der schwäbische Comedien Michael Krebs am 14. September das zweite Veranstaltungshalbjahr im Berner Schloss einläutete.
    Schon nach zehn Minuten war klar, dass im Saal kein Auge trocken bleiben würde. In bewundernswerter Weise gelang es Michael Krebs - Typ "Wunsch-Schwiegersohn" - das Publikum für sich zu gewinnen und auch bei seinen etwas zotigen Stücken wie "Das Ding von Heinz" auf seiner Seite zu behalten. Bestimmt lag die uneingeschränkte Begeisterung des Publikums auch an seinem konsequenten schwäbischen Dialekt. Denn Schwaben können ja bekanntlich alles, außer Hochdeutsch. Und an der Art, wie er liebevoll sein schwäbisches Heimatdorf, seine Eltern und natürlich seine erste Liebe Melanie beschrieb. Melanie war es nämlich, die ihn zum Klavierspielen brachte und sie ist der Grund, warum er schon als Teenager fehlerfrei "Ballade pour Adeline" von Richard Clayderman spielen konnte - ein Lied, das ihn geprägt hat wie kein zweites und das er - als könnten seine Hände am Klavier nicht anders - gern in alle möglichen anderen Schlager einfließen lässt.
    Ganz Entertainer präsentierte Krebs eine ganze Bandbreite umgetexteter oder selbst komponierter Lieder aller Musikrichtungen. Und das alles solo - eineinhalb Stunden Programm inklusive vier Zugaben an zwei Vorstellungen hintereinander. Eben doch eher Wunderkind als Spätentwickler....
    Michael Krebs - September 2008

    Piaf-Chansons im Berner Schloss
    Am 02. März entführte Julia Kock mit ihrer meisterhaften Interpretation von Chansons der 1963 verstorbenen Edith Piaf das Publikum vom Berner Schloss mitten nach Paris. Das lag nicht nur an den weltbekannten Stücken wie „La vie en rose“, „Milord“ und „Je ne regrette rien“, die sie sehr eindrucksvoll intonierte. Auch die informativen Geschichten zwischendurch, die dem Publikum das Leben der Piaf im Paris der fünfziger und sechziger Jahre näher brachte und den Hintergrund der Chansons erläuterten, trugen zur allgemeinen Begei sterung bei. Und natürlich Monika Schmidt-Carstens, die Julia Kock äußerst einfühlsam und virtuos am Akkordeon begleitete.
    Julia Kock - März 2008

    Hochdeutsch und Platt mit Edgar Bessen
    Hamburg, 26.Januar 2008. Der Kulturkreis Berner Schloss startete sein Programm 2008 am 21. Januar gleich mit einem wahren Publikumsmagneten. Edgar Bessen bot „kunterbuntes in Hoch- und Plattdeutsch“ und sorgte für drei ausverkaufte Vorstellungen – ein neuer Rekord im Berner Schloss. Der bekannte Schauspieler des Ohnsorg und Thalia Theater bediente sich aus einem großen Fundus an Texten von Arnold Risch, Günther Lüdge, Benno Strand und weiteren „Volksdichtern“ und rezitierte munter drauflos. Ganz Schauspieler, verlieh er dabei den jeweiligen Figuren der Geschichten und Gedichte eigene Stimmen und Charakterzüge – sehr zur Freude der Zuschauer. Davon lebte auch der Dialog der beiden älteren Singles auf der Parkbank bei „Spätere Heirat nicht ausgeschlossen“ und die trocken vorgetragene Abhandlung über „Die Katze“ („Die Katze ist mit ein verschiedenes Fell überzogen…“. )
    Edgar Bessen trat erstmals gemeinsam mit dem Musiker Reiner Regel auf, der auf Saxophon und Klarinette für die musikalischen Zwischentöne sorgte – natürlich passend zum Programm. Die beiden ergänzten sich perfekt und das Berner Publikum unterstützte den Musiker tatkräftig und textsicher wie immer. Titel wie der „Hamburger Veermaster“ und „Äppelklaun“, aber auch „Let it be“ von den Beatles oder Jazziges ließen Stimmbänder und Füße vibrieren. Und am Ende hieß es dann „In Hamburg sagt man Tschühüß“…
    Edgar Bessen - Januar 2008
     

    2007

    Klassischer Traum im Berner Schloss
    Hamburg, 09. Dezember 2007. Einen „Longdrink aus Musical und Schlager“ mit Weihnachtstouch präsentierte das Quintett „Classical Dream“ am 3.12. im Berner Schloss. Neben bekannten Instrumental-Hits der Musiker interpretierte Sänger Mel Edmondson unter anderem Broadway Klassiker wie „New York, New York“, Cole Porters „Night And Day“ und Louis Armstrong´s „What a wonderful world“. Der gebürtige Amerikaner war schon Backgroundsänger von Harry Belafonte und auf Broadwaybühnen zu bewundern und verzauberte nun auch im Berner Schloss mit seiner samtweichen Stimme das Publikum. Aber nicht nur zum Träumen wurden die Zuschauer gebracht. Flötist Ulrich Stiegler bewies, dass man Boogie Woogie auch mitreißend auf der Querflöte spielen kann. Und am Ende wurde noch mit George Michaels „Last Christmas“ der Adventszeit gehuldigt. Und als das Ensemble mit Weihnachtsmann-Mützen zusammen mit dem Publikum „Ihr Kinderlein kommet“ anstimmte, konnten die Zuschauer im Berner Schloss einmal mehr ihr legendäres vielstimmiges Gesangstalent unter Beweis stellen. Es hat schon fast Tradition, dass am Ende einer Vorstellung im Chor gesungen wird. Unter Trampeln und Begeisterungspfiffen wurde „Classical Dream“ nach drei Zugaben am Ende nur widerwillig von der Bühne gelassen.
    Classical Dream - November 2007

    Musik-Comedy im Berner Schloss
    Hamburg, 5. November. Das Duo Bidla Buh sorgte am 30.10.in zwei ausverkauften Vorstellungen für Begeisterung im Berner Schloss. Torge Bollert und Olaf Klindtwort präsentierten mit gestopfter Trompete, Gitarre und natürlich Gesang eine perfekte Mischung aus frisch interpretierten Grammophon-Klassikern, aktuellen Hits im Stile der 20er und 30er Jahre und Musikcomedy. In ihrer kurzweiligen Moderation stellten sich die Künstler gekonnt auf das Publikum ein. Ob sie nun beim „heiteren Melodienabend für Fortgeschrittene“ gepfiffene Melodien erraten ließen oder zum gemeinsamen Einsingen des „Schlosskammer-chors“ aufforderten: schnell intonierten die Besucher bereits am Nachmittag im einhelligen Chor „Veronika der Lenz ist da“ oder betätigten sich mit Klanginstrumenten als engagierte „Rhythmusmaschine“ bei der „Berner Sinfonie in 4 Sätzen“. Die teilweise makaber hintergründigen Texte von Liedern wie „Taubenvergiften im Park“ oder „Der Staatsbeamte“, die Georg Kreisler bereits in den 50er und 60er Jahren schrieb, trugen weiter zur Erheiterung bei. Ebenso wie Friedrich Holländers Stück von 1930, „Ich lass mir meinen Körper schwarz bepinseln“, das herrlich nasal und stilecht rüberkam. Beim „kleinen grünen Kaktus“, dem Wunschlied Vieler, musste das Publikum den Interpreten in der Zugabe durch Vorsingen scheinbar auf die Sprünge helfen und am Ende brachte das Duo eine ganz eigene und sehr moderne Version – warum sollte der genervte Nachbar, dem der Kaktus „auf´s Gesicht“ fällt, denn eigentlich auch nicht der Türke von nebenan sein?
    Bidla Buh - Oktober 2007

    Internationale Blues & Soul-Interpreten im Berner Schloss
    Hamburg, 25. September 2007. Zum ersten Konzert nach der Sommerpause hatte der Kulturkreis Berner Schloss am 23. September Paul Millns und Butch Coulter eingeladen. Über Paul Millns sagte eine Tageszeitung seiner britischen Heimat einst, wenn es Gerechtigkeit auf der Welt gäbe, würde er die größten Hallen füllen. Die Besucher im aus verkauften Berner Schloss konnten sich in zweieinhalb Stunden davon überzeugen, wie wahr dieses Zitat ist. Paul Millns, der ausschließlich selbst geschriebene Stücke präsentierte, brillierte als erstklassiger Blues- und Soul interpret mit Klavier und Gesang. Seine Begleitung, der Kanadier Butch Coulter, machte seinem Ruf als Weltklasse- Mundharmonika-Spieler alle Ehre und riss die Zuschauer so manches Mal von den Stühlen. Auch die kleinen, in ver ständlichem englisch vorgetragenen, Einleitungen und Erklärungen zu den Songs kamen gut an. Aber vor allem beeindruckte Millns das Berner Publikum durch seine ausdrucksstarke Stimme und seine große Bandbreite von einfühlsamen Balladen bis zur explosiven Mischung aus Soul, Blues und Rock, die das Publikum mit Bravo-Rufen und Zwischenapplaus quittierte. Berne war die letzte Station einer Deutschland-Tournee, die die beiden Künstler in den letzten Wochen unter anderem nach Osnabrück, Stralsund, Kelkheim und Emden führte. Millns tourte auch schon mit den Bands von Alexis Korner und Eric Burdon um die Welt, bevor er sich seiner Solo-Karriere widmete. Mittlerweile sind 15 Alben von ihm erschienen, das letzte „Undercover“ erst vor einem Jahr.
    Millns und Coulter - September 2007

    Entlang der Elbe zum Berner Schloss
    Hamburg, 29. Mai 2007. Eine musikalisch-literarische Elbreise erlebten die Zuschauer am 21. Mai im Berner Schloss. Unter dem Titel „Vom Rübezahl zur Alten Liebe“ präsentierten die Sängerin Christa Haas und der Rundfunkmoderator Armin Diedrichsen Geschichten, Anekdoten und Lieder über die Elbe. Von ihrem Ursprung im tschechischen Riesengebirge in dem der Troll Rübezahl haust und des „Riesengebirglers Heimatlied“ zu Hause ist, führte die Fahrt durch Böhmerwald und Elbsandsteingebirge über Dresden, Magdeburg und Hamburg schließlich bis nach Cuxhaven mit seinem Schiffsanleger „Alte Liebe“. Dabei lernte das Publikum das Elbsandsteingebirge aus der Sicht Hans-Christian Andersens kennen, der seine Eindrücke vom Felsenblick hinunter auf den Fluss beschreibt und sah Dresden mit den Augen Erich Kästners und Wolf Biermanns, alles Autoren, die an der Elbe geboren wurden, bzw. dort längere Zeit lebten, dichteten und komponierten. Nebenbei erfuhren die Zuschauer noch allerhand Wissenswertes über den mit über 1000 km Länge vierzehntgrößten Strom Europas. Zum Beispiel woher die Elbe ihren Namen hat, nämlich vom altnordischen Namen „Elfr“ für „Fluss. Sängerin Christa Haas hatte viele der vorgetragenen Stücke, vor allem die Volksweisen wie „Tief drin im Böhmerwald“ oder „Dort drunten im Tale“ selbst bearbeitet und trug sie mit ihrer angenehmen Altstimme sehr überzeugend vor. Am Klavier brillierte dazu Sven Selle, der sich neben Jazz auf Schlager der 20er und 30er Jahre spezialisiert hat. Armin Diedrichsen setzte sein großes Sprechertalent bei der Rezitation der unterhaltsamen Texte sehr engagiert ein und hatte durch besondere Betonungsformen so manchen Lacher auf seiner Seite. Nach so viel Unterhaltsamem über die Elbe hatte am Ende so mancher Zuschauer ganz neue Urlaubspläne.
    Elbreise - Mai 2007

    Operettenklänge im Berner Schloss
    Hamburg, 24. März 2007. Am 18. März waren auf Einladung des Kulturkreises zwei stimmgewaltige Interpreten im Berner Schloss zu hören. Verpackt in eine Liebesgeschichte boten die Sopranistin Bettina Rösel und der Tenor Andreas Michalzik beliebte Melodien aus bekannten Operetten und Musicals. Von dem ersten schüchternen Rendezvous mit der Liebsten, verschiedensten Liebes-erklärungen und Hochzeitsfeiern, Spiel mit dem Feuer und Gefühlsrausch – die Operetten- und Musicalszene bietet da bekanntermaßen viel Stoff für Soli und Duette. Bekanntes wie das Uhrenduett aus der Fledermaus, das Schwalbenduett aus der Csardasfürstin, „Wiener Blut“ aus der gleichnamigen Operette von Johann Strauß oder „Wunderbar“ aus Kiss me Kate begeisterte in zwei ausverkauften Vorstellungen die Besucher. So manches Solo wurde mit „Bravo“-Rufen bedacht und die schauspielerischen Qualitäten auf kleinster Bühne einschließlich Kostümwechsel waren beeindruckend. Für Bettina Rösel, Ensemblemitglied der Hamburgischen Staatsoper, war es nach 2003 und 2005 bereits der dritte Auftritt im Berner Schloss. Tenor Andreas Michalzik, sonst zu Hause in der Operetten companie Hamburg, war auch schon zum zweiten Mal mit von der Partie. Professionell begleitet wurden beide von der Pianistin Irina Kolesnikowa vom Johannes-Brahms-Konservatorium Hamburg. Nach zwei Zugaben verkündete Kulturkreisvorsitzender Uwe Völsch augenzwinkernd der nächsten Termin mit den Akteuren: April 2009 – unbedingt vormerken!
    Operettenklänge - März 2007

    Hans Scheibner im Berner Schloss
    Berne, 04. Februar 2007. Am 31. Januar zeigte Hans Scheibner im Berner Schloss sein großes Können als Satiriker und Kabarettist. Nach kurzem politischen Einstieg über den gefallenen bayerischen „König Äh“, Gesundheitsreform, Dosenpfand und Hartz IV gab es Höhepunkte aus seinem Programm „Ich werde nie erwachsen, nie!“. Da geht es um eigentlich Alltägliches – das Ehepaar Hermann und Hermine diskutiert über Sinn und Unsinn von Kofferschonern. Mit Schonern sieht man ja die schönen Koffer nicht und bräuchte man nicht um die Schoner zu schonen, noch Schonerschoner? Auch mit den anschaulichen Beispielen, warum Mann und Frau eigentlich nicht zusammenpassen, trifft er den Nagel auf den Kopf und damit direkt die Lachmuskeln der Zuhörer. Höhepunkt der Absurditäten des Alltags: der Erlebnisbericht vom Elternabend. Jeder, der schon einmal, auf Zwergenstühlen sitzend, die Vorstellung von Fachlehrern, Diskussion über Taschengeld und Handys auf Klassenreisen und die Wahl der Elternvertreter miterlebt hatte, konnte hier Scheibners unnachahmliche Darstellung hautnah und unter Lachtränen nachempfinden. Zwischen den Episoden unterhielt Dominik Heins am Klavier mit schwungvollem Boogie-Woogie die Zuschauer.
    Der Kulturkreis Berner Schloss konnte durch den Auftritt Hans Scheibners zahlreiche neue Mitglieder gewinnen, denn für diese startet der Vorverkauf bereits vier Tage vor dem freien Verkauf, was - vor allem bei so begehrten Veranstaltungen wie dieser - die Chancen erhöht, Karten zu ergattern.
    Hans Scheibner- Januar 2007

    2006

    Alles über die Nacht im Berner Schloss
    Berne, 25. November 2006. Am 22.11. präsentierte der Kulturkreis Berner Schloss zum Abschluss des diesjährigen Veranstaltungsjahres ein wahres „Nachtprogramm“. Trotz gewohnter Konzertzeit um 20 Uhr gingen die Besucher mit dem „Projekt Lunar“ auf einen musikalisch-literarischen Streifzug durch die Nacht. Das fünfköpfige Ensemble nahm sie mit durch eine musikalisch und literarisch bunte Mischung vom Wiegenlied zum Tango, über Swing, Pop, Blues, Rock bis hin zum Liedermacher-Song, vertraute Klänge wie der Kriminaltango, Moon River, Gute Nacht Freunde, Raritäten wie Max Raabes „Können Sie schon fernseh´n“ und Eigenkompositionen. Das musikalische Programm wurde umrahmt von den schönsten Texten aus den Büchern der Nacht: von der Gute-Nacht- Geschichte bis zum Gruselkrimi, vom Liebesgedicht bis zur Kurzprosa aus der nächtlichen Großstadt-Szene: mal romantisch, mal spannend, mal nachdenklich, mal schlüpfrig, mal humorvoll. Sängerin Dörthe König und ihre Begleiter Ute Pauleit (Geige, Gesang), Erk Böteführ (Gitarre, Gesang), Ronald Kowalewski (Bass, Gesang) und Rezitatorin Marianne Ehlers bewiesen dabei auch schauspielerisches Talent, z.B. als kollabierendes Opfer eines exzessiven Gitarrensolos und rettende Sanitäter. Beim Night Boogie zeigten allerdings die Zuschauer im Berner Schloss ebenfalls ein überraschendes und gar nicht zurückhaltendes Gesangstalent. Es bedurfte keiner großen Animation, den Saal zum Singen zu bringen, zur Begeisterung der Künstler. Bleibt festzuhalten, dass trotz des nächtlichen Themas keiner eingeschlafen ist…
    Projekt Lunar- November 2006

    Tango Scandale im Berner Schloss
    Berne, 08. Oktober 2006. Vor drei Jahren hatte die UKW-Band bei der ersten Veranstaltung des Kulturkreises ein furioses „Schloss-Debut“. In gleicher Besetzung traten die Musiker am 04. Oktober wieder im Berner Schloss auf. Sie stellten Ihre neue CD „Tango Scandale“ vor, die neben ungewöhnlichen Tangos auch die aktuelle Filmmusik „Hochzeit“ aus dem Kinofilm Kebab Connection enthält. Dazu gaben Ulrich Kodjo Wendt (Diatonisches Akkordeon), Ele Grimm (Gesang, Geige, Posaune, Yogi Jokusch (Percussion) und , Karlo Buerschaper (Kontrabass) temperamentvolle „Weltmusik“ zum Besten. Dabei bewiesen sie die ganze Bandbreite Ihres Könnens, etwa bei „Krimi“, wo Ele Grimm zeigte, dass sie nicht nur Gesang und Violine, sondern auch die Posaune beherrscht und eine Stimmung wie bei einem Krimi der 60er Jahre erzeugte. Originelles bot Yogi Jokusch nicht nur bei seiner Einlage, die zum CD-Kauf animieren sollte („Die Gelbe für Muttertag und Geburtstage, die rote für Vatertag und Weihnachten“), sondern auch bei der Hommage an Umberto Eco gespielt auf Reiseschreibmaschine und Klingelakkordeon. Nicht nur hörens- sondern auch sehenswert war das Spiel des Bandleaders auf dem diatonischen Knopfakkordeon, das in Italien speziell für Ulrich Kodjo Wendt gefertigt wurde. Der UKW-Band gelang es immer wieder mit dem Publikum in Interaktion zu treten. Einerseits natürlich durch ihre mitreißende Musik , andererseits durch ihre launischen Ansagen und Zwischenbemerkungen. Die Besucher bedankten sich, in dem sie drei Zugaben forderten und den Künstlern war klar, dass sie bestimmt noch einmal auf dem Spielplan des Kulturkreises stehen werden.
    UKW-Band - Oktober 2006

    Schumann, Wieck und Brahms – Vorstellung einer Liebe zu Dritt im Berner Schloss
    Berne, 18. September 2006. Am 13. September veranstaltete der Kulturkreis Berner Schloss einen besonderen Themenabend. Eine Lesung aus Briefen und Tagebüchern untermalt durch Kompositionen der drei großen Komponisten des 19. Jahrhunderts Robert Schumann (1810 -1856), Clara Wieck (1819-1896) und Johannes Brahms (1833-1897). Robert Schumann und Clara Wieck würde man heute als „Wunderkinder“ bezeichnen. Clara hatte schon mit neun Jahren ihren ersten Auftritt im Leipziger Gewandhaus, mit zwölf spielte sie in Paris. Ihr späterer Ehemann Robert Schumann spielte bereits als Kind besser als sein Klavierlehrer und nahm als Zwanzigjähriger Stunden im Komponieren bei Claras Vater. In romantischen Briefen, vorgetragen von den Schauspielern Stefanie Burkart und Helmut Gentsch, ging es um zunächst um die erste Begegnung und den ersten Kuss. Die Verliebten widmeten sich später gegenseitig einige Kompositionen. Diese und weitere den Lebensweg markierende Stücke wurden im Berner Schloss ausdrucksvoll von der Sopranistin Takako Kamada und der Pianistin Ritsuko Riedl vorgetragen. Aufschlussreiche Einblicke in das Eheleben von Robert Schumann und Clara Wieck gab das seit 1840 geführte Ehetagebuch, das beide immer im wöchentlichen Wechsel führen. Da beklagt sie sich im ersten Ehejahr, dass ihn ihr Klavierspiel beim Komponieren störe und er wünscht sich, sie solle sich mehr auf ihre häuslichen Pflichten konzentrieren. Später ermutigt er sie aber zum Weiterkomponieren. Auch nach der Geburt ihrer acht Kinder hat Clara Schumann weiter Konzertauftritte in ganz Europa und macht damit auch die Stücke ihres Mannes berühmt, der aufgrund einer Handverletzung nicht selbst Konzerte spielen konnte. Robert Schumann wurde 1853 Mentor des jungen Hamburger Komponisten Johannes Brahms. Er trug durch Artikel in Musikverlagen wesentlich zu Brahms späteren Ruhm bei. Die drei Musiker Brahms, Wieck und Schumann verband jahrelang eine künstlerische und menschliche Beziehung, die über den frühen Tod Schumanns hinaus noch vierzig Jahre bis zum Tod von Clara Wieck Bestand hatte. Das Publikum im Berner Schloss zeigte sich beeindruckt von dieser anschaulichen und „praxisnahen“ Führung durch ein Stück Musikgeschichte.
    Schumann, Wieck und Brahms - September 2006

    Was ist eigentlich ein Gesprächskonzert?
    Berne, 12. Juni 2006. Gesprächskonzert? Was soll das denn sein? So mag sich am 31 Mai mancher Besucher der Veranstaltung im Berner Schloss gefragt haben. Mit diesem Gitarrenkonzert erschloss sich der Kulturkreis Berner Schloss ein neues Genre. Der bekannte Konzert-Gitarrist und Musikpädagoge Rüdiger Zieroth berichtete in einer musikalischen Zeitreise von den Anfängen gitarristischen Schaffens der spanisch-italienischen Renaissance bis in die Gegenwart. Auf einer klassischen Gitarre erklangen Musiken der Jahrhunderte, beginnend mit Kompositionen von Luis Milan aus dem Jahr 1530 – noch Jahrhunderte von der Möglichkeit entfernt, Melodien mittels Noten zu Papier zu bringen. Zu diesem Zweck gebrauchte man damals so genannte Tabulatoren, lernten die interessierten Zuhörer und erfuhren außerdem, dass eine südspanische Gitarre mehr die sinnlich-rhythmischen Ausdruck erlaubt und daher bestens für Lieder und Tänze der Völker aus Paraguay, Mexiko und Andalusien geeignet ist. Das Publikum wurde aktiv ins Geschehen einbezogen und nahm die Gelegen heit, Fragen zu stellen, reichlich wahr. Schließlich hat man nicht jeden Tag Gelegenheit einen Musiker, der obendrein Hochschullehrer ist, zu seinem Instrument zu befragen. Und noch dazu einen, der sein Instrument neben dem Schachspiel und der arabischen Ziffer, als eines der schönsten Geschenke aus dem Morgenland betrachtet. Denn von dort wanderte es in seiner ersten Gestalt (damals noch mit 4 Saiten und bauchiger Form) während der Maurenzeit zu den Spaniern. Zieroth fügte die von Francisco Tárrega (1852-1609) und seinem eigenen LehrerEmilio Pujol (1886-1980) entworfene Kunstlehre in seine Überlegungen mit hinein. Das von ihnen entwickelte Lehrverfahren erzeugt jenen leuchtenden, den Saal füllenden Klang, welcher einzig mit den Fingerkuppen, ohne Zuhilfenahme der Nägel geschieht. Am Ende entließen die begeisterten Zuhörer Rüdiger Zieroth erst nach drei Zugaben aus dem "Gesprächskonzert“.
    Rüdiger Zieroth-Gesprächskonzert - Mai 2006

    Trude träumt von Afrika - im Volkshaus Berne
    Berne, 15. Mai 2006. Am 13. Mai brachten fünf waschechte Hanseatinnen das ausverkaufte Volkshaus Berne zum Beben. Eingeladen vom Kulturkreis Berner Schloss und dem tus BERNE bot die trommelnde Frauenpower- Comedy-Gruppe „Trude träumt von Afrika“ Comedy und perfekte Trommelrhythmen, so dass sich die Zuschauer abwechselnd nach Afrika und in Schmidt´s Tivoli versetzt fühlten. Die fünf „Damen“, die sich auf der Bühne Mathilde, Agathe, Cäcilie, Erna und Ivonne nennen, produzierten schon nach wenigen Minuten mit Trommel wirbel und norddeutscher Komik eine unglaublich mitreißende Stimmung. Der erstaunte Zuschauer musste lernen, dass sich afrikanische Trommeln durchaus als Begleitung zu „Tanze mit mir in den Morgen“ eignen. Und dann wieder diese afrikanischen Gesänge, die unter die Haut gingen und das, obwohl keine der Künstlerinnen aus Afrika stammt, wie Erna meinte, noch mal mitteilen zu müssen „Ich weiß nicht, ob der eine oder andere von Ihnen das schon bemerkt hat“. Wenn die Finger drohten, zu dick zu werden, griffen die fünf Truden zu anderen Rhythmusinstrumenten: Unvergessen die Demonstration des „Selbstverteidi-gungskurses für reifere Damen und andere Handtaschenträger “, in der Topfdeckel als Schilde und Spazierstöcke als Schlagwaffen dienten. Die komplizierte Schlagchoreografie war sehens- und hörenswert. Ebenso wie die frenetische Bearbeitung von Keksdosen (platziert auf Bügelbrettern) mit Trommelstöcken – Ölfässer waren den Damen zu schmutzig. Besinnlicher ging es dann schon bei der Darstellung der Glockenfiguren einer erzgebirgischen Spieluhr zu, die dann und wann, etwas aus dem Lot geriet, aber sich um alle Achsen drehend, zuverlässig ihre Glöckchen anschlug. Bei allen Nummern hielten die fünf konsequent an ihren Rollen fest. Die mürrische Mathilde, die überschäumend lebens lustige Agathe, die moderierende Erna, Ivonne mit ihren spitzen Zwischenbemerkungen und die klaglose Cäcilie, alle in Polyamid-kostümen, Blümchenkleidern und Gesundheitsschuhen. Spätestens nach der zweiten Zugabe war Zuschauern und Künstlerinnen klar, dass sich die mehrfach betonte „weite Reise“ von Ottensen in den hohen Norden Hamburgs (Mathilde: „Sasel und Berne – ich war mir sicher, wir sind in der Schweiz…“) für alle Beteiligten gelohnt hat.
    Trude träumt von Afrika - Mai 2006

    Wahnsinnliches mit Christian Quadflieg
    Hamburg, 05. April 2006. In zwei ausverkauften Vorstellungen erlebten die Zuschauer am 05. April im Berner Schloss ein Feuerwerk in Lyrik und Prosa zelebriert von einem Meister der Rezitation. Christian Quadflieg – der Name verpflichtet. Und das Publikum wurde nicht enttäuscht. Der bekannte Schauspieler zeigte, dass er nicht nur im Film und auf großer Bühne, sondern auch am Stehpult erfolgreich ist. Sein treffend konzipiertes Programm „Wahnsinnliche Lyrik von 22 Wortspielern“ bot Amüsantes und Nachdenkliches, Paradoxes und manchmal Überraschendes. Erstaunlich immer wieder, wie aktuell und immer noch witzig Kabarettisten früherer Jahren wie Joachim Ringelnatz, Karl Valentin, Eugen Roth, Christian Morgenstern und andere heute noch klingen. Natürlich vor allem, wenn sie von einem Profi vorgetragen werden, ob es nun um die Vereinsmeierei in Deutschland geht oder um Schicksale wie das des männliche Briefmark, der von einer Prinzessin beleckt wird oder das Abenteuer des kühnen Rosshaars, das aus seiner Matratze auswandern will. Oder die Wortspielereien um den Eskimo und seine Eskimaid, die leider mit einem Eskimord endeten. Auf diese Weise wurden gleichzeitig teilweise schon vergessene Größen vergangener Jahrzehnte geehrt - wie der große Wortspieler Peter Paul Althaus, Frank Wedekind, Heinrich Hoffmann, Kurt Schwitters oder auch Heinz Erhard, an dessen Reim von der „polyglotten Katze“, die sich vor dem Mauseloch als Hund ausgibt („Wie nützlich ist es dann und wann, wenn man ´ne fremde Sprache kann“) noch viele Zuschauer erinnerten. Am Ende hatte sich so mancher vorgenommen, mal wieder selbst einen „Ringelnatz“ zu lesen.
    WahnSinnliches mit Christian Quadflieg - April 2006

    A capella par Excellence im Berner Schloss
    Hamburg, 13. Februar 2006. Einen absoluten Leckerbissen großartiger Sangeskunst bot das Calmus Ensemble am 12. und 13. Februar einem begeisterten Publikum im Berner Schloss. Das Repertoire des jungen a capella Quintetts reichte von mittelalterlichen Gesängen über Evergreens der Comedian Harmonists bis zu Welthits von Sting und den Beatles. Die Sopranistin Anja Lipfert und die vier ehemaligen Thomanerchor-Mitglieder Sebastian Krause (Countertenor), Martin Lattke (Tenor), Ludwig Böhme (Bariton) und Joe Roesler (Bass) sorgten mit ihren lupenreinen Stimmen und treffsicheren Arrangements für ein besonderes Tonerlebnis. Mit humorigen Ansagen und bändesprechender Mimik hatten sie das Publikum bald auf ihrer Seite und wurden erst nach zwei Zugaben und – statt Rosen – einem grünen Kaktus vom Kulturkreis von der Bühne gelassen. Mit ihrem Talent hatten die fünf Leipziger bereits 2002 die Jurymitglieder des internationalen Robert- Schumann-Wettbewerbs und 2004 die Juroren des a-capella-Wettbewerbs „Jugend Kulturell“ überzeugt und jeweils erste Preise ersungen. Der Kulturkreis Berner Schloss hatte das Quintett dafür gewinnen können, ihren Gastspielaufenthalt im Winterhuder Fährhaus um zwei Tage zu verlängern, um im Berner Schloss aufzutreten.
    Calmus Ensemble - Februar 2006

    2005

    Die Königin des New Orleans Jazz im Berner Schloss
    Hamburg, 13.November 2005. Lillian Boutté, eine der erfolgreichsten Sängerinnen der internationalen Jazzszene, gab am 09. November ihr Debüt im Berner Schloss. Mit mitreißendem Temperament gab die offizielle Botschafterin des New Orleans Jazz Rhythm & Blues, Swing und natürlich traditionellen Jazz zum Besten. An ihrer Seite Thomas L´Etienne an Klarinette und Saxophon und Harry Kanters, extra aus Holland angereist, am Klavier. Die beiden Musiker beherrschten ihre Instrumente perfekt und begeisterten mit zahl reichen Solo-Einlagen. Im Mittelpunkt stand jedoch die Grande Dame des Jazz. Mit viel Charme und Witz gepaart mit einer unglaublichen Ausstrahlung zog „Lilly“ die Zuhörer in ihren Bann. Unter ihrer Leitung intonierte der Saal geschlossen „High Society“ und, bei der vierten Zugabe, den Klassiker „It´s a wonder ful world“. Die Künstlerin war beeindruckt und begeistert von ihrem sangesfreudigen Publikum. Als Sie am Ende ihren Welt-Hit „He touched me“ zum Besten gab, war auch der Letzte von seinem Glück überzeugt, eine Karte für dieses einmalige Konzert ergattert zu haben. Denn sämtliche Tickets waren bereits nach zwei Tagen vergriffen gewesen, sodass dieses Mal überwiegend Mitglieder des Kulturkreises dank ihres Vorkaufrechts im Zuschauerraum saßen. Uwe Völsch, Vorsitzender des Kulturkreises Berner Schloss bedauerte, dass keine Karten in den freien Verkauf gelangen konnten, aber letztlich sei es auch nur aufgrund der Mitgliederbei träge möglich gewesen, diese Weltklassekünstlerin zu verpflichten. Im nächsten Jahr wird der Kulturkreis Berner Schloss sein Programm auf sechs Veranstaltungen ausweiten.
    Blues, Jazz, Gospel und Soul mit Lilian Boutté - November 2005

    Blues op Platt im Berner Schloss
    Hamburg, 04.Dezember 2005. Lars und Dixi zeigten am 30.11. im Berner Schloss gleich zweimal ihr Können. In ausverkauften Nachmittags- und Abendvorstellungen bewiesen sie dem Publikum, dass eine Gitarre und eine Mundharmonika vollkommen ausreichen, um vollendete Blues- und Folkloreklänge zu zaubern. Natürlich nur, wenn man die Instrumente so perfekt beherrscht, wie das jahrelang eingespielte Duo Claus Diercks an der Gitarre und Lars-Luis Linek mit verschiedenen Mundharmonikas. Wenn man die beiden in Aktion erlebt, lässt sich der selbst vergebene Titel die „Haudegen des Blues“ leicht nachvollziehen. Dass Plattdeutsch nicht immer vom platten Land und Nordsee handeln muss, belegten die Musiker mit Liedern aus dem täglichen Leben wie „Josephine“, „So veel Arger“ oder „De lange Dag“, die den Zuhörern mit kleinen trockenen Einleitungen serviert wurden. Das feinfühlig vorgetragene „Frünnen“ („Freunde“) ist eine schöne Referenz an alle Partnerstädte Hamburg’s – weltweit. Der bittersüße „Swiegermodder Blues (mit dem Resümee „Ich bring sie um“) war ausdrücklich nicht auf die anwesenden Schwiegermütter gemünzt.
    Sowohl die Liedertexte als auch die lockere Art der Musiker brachten die Zuhörer häufig zum Schmunzeln und an mancher Stelle zum Mitsingen; besonders „Watt mutt dat mutt“ sprach allen aus der Seele.
    Das Team des Veranstalters Kulturkreis Berner Schloss rundete das Wohlfühlerlebnis mit Kaffee und Kuchen, sowie frisch gebackenen Zwiebelkuchen ab.
    Blues op platt - November 2005

    „Hin und Wech“ im Volkshaus Berne
    Hamburg, 12. Mai 2005. Vom „Albtraum Urlaub“ handelten die Geschichten, die das Kabarettduo „Männergestalten“ am 07. Mai auf Einladung des Kulturkreises Berner Schloss und des tus BERNE zum Besten gaben. Die Lachmuskeln der Zuschauer im ausverkauften Volkshaus wurden arg strapaziert – zu genau trafen Jens Heidtmann und Detlef Wutschik Klischees und Selbsterlebtes zum Thema Urlaub. Bei der Urlaubsplanung geht es ja schon los: Sie will in den Süden, er will in den Norden und eigentlich muss man sich erstmal zwei Wochen Urlaub nehmen, um die vielen Kataloge aus dem Reisebüro durchzulesen. Im Hotel später nerven entweder Animateure wie „Ricky“ alias Detlef Wutschik im Rüschenhemd mit schmachtendem Gesang zu irren Tanz-verrenkungen oder man erlebt, wie „All-Inklusive“-Urlauber sich in die Gewinnzone saufen. Bei Szenen, die besonderen „Einsatz“ erforderten, zeigten Detlef Wutschik und Jens Heidtmann ihr Talent als Puppenspieler. Schön inszeniert zum Beispiel die Nummer mit dem Pärchen im Liegestuhl, das ungerührt seinen Strandurlaub in einer Bürgerkriegsregion verbringt und sich vor der Geräuschkulisse von Kampf fliegern, Maschinengewehrsalven und Granateinschlägen immer wieder versichert, wie schön leer es hier doch sei und wie wichtig, diesem armen Land Devisen zukommen zu lassen. Sehenswert auch, wenn die Akteure selbst zu Puppen werden, wie Jens Heitmann als unübertroffene Riesen-Kakerlake, die sich darüber beklagt, dass alle Jagd auf sie machen und am Ende („Ihr kriegt uns nicht, wir sind zu viele“) eine Ladung seiner „Kinder“ (zum Glück aus Plastik) ins Publikum wirft, das kurz darauf vom Kammerjäger mit einer kleinen Wasserdusche wieder desinfiziert wird. Als die „Männergestalten“ traditionell zum Abschluss mit Eutermütze und Melkschemel als „norddeutsche Jungs“ antraten, wurde das Zwerchfell erneut beansprucht. Auf der „Kuhfladenorgel“ sind die Jungs zweifellos ungeschlagen und durften natürlich ohne Zugabe nicht nach Hause gehen.
    Männergestalten - Mai 2005

    Operettenklänge im Berner Schloss
    Berne, 17.April 2005. Unter dem Motto „Die ganze Welt ist himmelblau“ lud der Kulturkreis Berner Schloss nach anderthalb Jahren am 13. April wieder Künstler aus der Staatsoper ins Berner Schloss. Die junge Sopranistin Bettina Rösel, der Tenor Andreas Michalzik und der stimmgewaltige Bassist Friedhelm Brill, begleitet von der Konzertpianistin Anna Kravtsova ver zauberten auch diesmal das Publikum in zwei ausverkauften Vorstellungen im Berner Schloss. Die drei Sänger überzeugten nicht nur durch ihre fantastischen Stimmen sondern auch durch ihr schauspielerisches Talent. Als Solisten, im Duett oder auch zu Dritt zum Beispiel als Eliza Dolittle, Professor Higgins und Colonel Pickering mit „Es grünt so grün“ aus „My Fair Lady“. Weitere Stücke aus populären Operetten und Musicals wie die „Fledermaus“, „Anatevka“, „West Side Story“, „Die Csardasfürstin“ , „Der Zigeunerbaron“ oder „Land des Lächelns“ brachten die Zuhörer ins Schwärmen und so mancher wunderte sich, wie solche großen Stimmen ins Berner Schloss fanden. Zwei der Sänger sind feste Ensemble-Mitglieder der Hamburger Staatsoper, die Pianistin Anna Kravtsova sorgt als Solo-Repetitorin der Oper dafür, dass auch die Großen der Opernwelt immer den richtigen Ton treffen. Die Künstler kommen immer wieder gern ins Berner Schloss – der guten Stimmung wegen. So gaben sie diesmal bereitwillig nach drei von den Zuschauern „erzwungenen“ Zugaben noch eine Weitere, weil Ihnen die „Arbeit“ so einen Spaß machte.
    Operettenklänge - April 2005

    Musik und Literatur in Kombination
    Hamburg, 23. Februar 2005. Zur Auftaktveranstaltung des diesjährigen Programms lud der Kulturkreis Berner Schloss am 16. Februar zu einem musikalisch-literarischer Abend ein. Buchhändler und Galerist Peter Blänsdorf rezitierte Heiteres und Besinnliches aus Tucholsky und Ringelnatz. Für die musikalisch passenden Zwischentöne sorgten Bratsche und Kontrabass – pointiert dargeboten von Helmut Stuarnig, Solist bei den Hamburger Symphonikern, und Slava Dumitrascu vom Philhar monischen Staatsorchester.
    Für die Besucher der zwei ausverkauften Vorstellungen gab es viel Bekanntes zu hören – und so manch einer murmelte leise Textpassagen mit. Textsicherheit bewiesen die Zuhörer nicht zuletzt bei einem einst von Theo Lingen unvergessen dar gebotenen Gassenhauer. Es bedurfte nur einer kurzen Ermunterung des Bratschisten und schon tönte es im Salon des Berner Schlosses „Der Theodor, der Theodor, der steht bei uns im Fußballtor“. Dank Tucholsky wurde zudem die Auffassung, nur Frauen wären eitel - Männer nie, schlüssig widerlegt. Widerlegt wurde auch die Vermutung, in Berne würde nicht gejodelt. Beim „Kufsteinlied“ – passend zu Tucholsky´s „Sauflied ganz allein“- amüsierte der aus der Steiermark stammende Bratschist Helmut Stuarnig die erstaunten Zuschauer mit einer Jodeleinlage. Ebenfalls für Erheiterung sorgten zwei Überraschungsgäste. Die Sopranistin Nina Blänsdorf und die Altistin Sigrid Slabon verzauberten die Zuschauer mit dem auch darstellerisch wunderbar aufgeführten Katzenduett von Rossini und der Barkarole aus J. Offenbach's "Hoffmanns Erzählungen". Ganz still wurde es zum Schluss beim ergreifenden "Mutterns Hände" von Kurt Tucholsky, das das Motto „Heiteres und Besinnliches“ perfekt abrundete.
    Tucholsky & Co. - Februar 2005